Das lymphatische System ist eng mit unserem Immunsystem verbunden. Lymphknoten sind wichtige Orte der Immunüberwachung. Dort werden Informationen aus dem Gewebe gesammelt und Immunreaktionen koordiniert. Auch der Darm spielt dabei eine große Rolle. Ein großer Anteil unseres lymphatischen Gewebes befindet sich im Zusammenhang mit dem Verdauungstrakt. Das macht deutlich: Lymphe, Immunsystem, Darm, Nervensystem und Stoffwechsel arbeiten eng miteinander. Der Körper denkt nicht in medizinischen Schubladen. Genau dieser ganzheitliche Blick ist ein zentraler Gedanke von Dr. Perry Nickelston, bekannt durch “Stop Chasing Pain”. Er lenkt den Blick immer wieder auf das lymphatische System als häufig übersehene Komponente bei Themen wie Flüssigkeitsregulation, Entzündung und chronischen Beschwerden. Sein Ansatz lässt sich vereinfacht so zusammenfassen: Nicht immer nur dort hinschauen, wo es weh tut.
Das bedeutet nicht, dass Schmerzen vom Lymphsystem kommen und es bedeutet auch nicht, dass jede chronische Beschwerde durch Lymphdrainage gelöst werden kann. Es bedeutet vielmehr:
Wenn ein Problem bestehen bleibt, lohnt sich manchmal ein Blick auf weitere Systeme, die an Bewegung, Flüssigkeit, Regulation und Belastbarkeit beteiligt sind.
Was hast du davon, dich um deinen Lymphfluss zu kümmern? Ein funktionierendes Lymphsystem ist keine Wellness-Zugabe, sondern ein normaler Bestandteil unserer Physiologie. Du kannst deinen Körper dabei unterstützen, indem du ihm regelmäßig das gibst, wofür er gemacht ist: Bewegung, Atmung, Flüssigkeit, Erholung.
Das kann beispielsweise bedeuten:
- weniger langes Sitzen ohne Unterbrechung
- regelmäßiges Gehen
- aktive Muskelarbeit
- ausreichend trinken
- bewusst und tief atmen
- Schlaf priorisieren
- Gelenke regelmäßig bewegen
- nach längerer Immobilität wieder sanfte in Bewegung kommen
Das Lymphsystem braucht keine Extreme, es braucht Bewegung und Rhythmus.
The big 6, eine einfache Routine von Perry Nickelston:
Eine bekannte Selbstanwendung aus dem Ansatz von Dr. Perry Nickelston ist der “Big 6” lymphatisch Reset. Dabei werden 6 Regionen in einer bestimmten Reihenfolge sanft stimuliert. Die Idee dahinter: Zunächst werden zentrale Abflussregionen vorbereitet, bevor man sich weiter in Richtung Peripherie bewegt. Die 6 Bereiche sind:
- Schlüsselbein: sanfte kreisende oder pumpende Bewegungen mit den Händen, ober- und unterhalb der Schlüsselbeine.
- Hals: seitlich am Hals und unterhalb des Kieferwinkels sanft klopfen, streichen oder kreisen mit den Händen.
- Brust und Achselregion: auch dort mit den Händen sanft stimulieren.
- Bauch: mit ruhigen, leichten kreisenden Bewegungen über den ganzen Bauch arbeiten.
- Leiste: die Leistenregion sanft stimulieren.
- Kniekehlen: Zum Abschluss die Bereiche hinter den Knien bearbeiten.
Du kannst jede Bewegung mit deinen Händen machen, die dir gut tut, für ca. 30-60 Sekunden. Du kannst auch immer variieren, sprich klopfen, kreisen, streichen etc. abwechseln, das Wichtigste ist, dass du es machst.
Wichtig: Das ist keine medizinische Behandlung und ersetzt bei Schwellungen, Lymphödemen, akuten Entzündungen oder anderen Beschwerden keine fachliche Untersuchung und Therapie.
Weniger Druck und mehr Bewegung! Beim lymphatischen System gilt nicht automatisch: Mehr Druck heißt mehr Wirkung. Lymphatische Selbstanwendungen sollten sich angenehm und leicht anfühlen. Gerade wenn jemand zu Schwindel, Schmerzen oder einem sehr empfindlichen Nervensystem neigt, kann weniger machmal mehr sein. Unser Körper ist ein System aus Wahrnehmung, Nervensystem, Atmung, Bewegung, Kreislauf und Flüssigkeitsregulation. Wenn wir Bewegung sicher und angenehm gestalten, geben wir dem Nervensystem Informationen.
- Wenn wir atmen, bewegen wir nicht nur Luft.
- Wenn wir gehen, bewegen wir nicht nur Muskeln.
- Wenn wir unser Geweben bewegen, unterstützen wir nicht nur unsere Gelenke.
Wir beeinflussen viele Systeme gleichzeitig!
Das lymphatische System wird häufig erst wahrgenommen, wenn etwas sichtbar wird: Schwellung, Lymphödem oder vergrößerte Lymphknoten. Dabei arbeitet es jeden Tag. Vielleicht sollten wir deshalb darüber nachdenken, wie wir unsere physiologischen Transport- und Regulationssysteme unterstützen und nicht wie wir unseren Körper “entgiften”.
Bewegung, Atmung, Schlaf, ausreichend Trinken, Wahrnehmen. Das klingt unspektakulär. Aber darin liegt oft die Basis für einen Körper, der seine normalen Regulationsprozesse gut durchführen kann.
Siehe hierzu auch meinen Text: Lymphe in Bewegung, ein System für Regulation!