Das lymphatische und glymphatische System, die unterschätzten Reinigungssyteme unseres Körpers.
Wir denken an Muskeln, Gelenke, Nerven, Organe und Blutgefäße, doch das lymphatische System dagegen steht bei vielen Menschen kaum auf dem Radar. Obwohl es täglich dafür sorgt, dass Flüssigkeit aus dem Gewebe abtransportiert wird, Immunzellen ihren Weg finden und Stoffwechselprodukte aus dem Gewebe weitergeleitet werden. Noch weniger bekannt ist das glymphatische System des Gehirns. Es arbeitet vor allem während des Schlafs und ist an der Regulation und dem Abtransport bestimmter Stoffwechselprodukte aus dem Gehirngewebe beteiligt.
Beide Systeme zeigen etwas sehr Wichtiges: Unser Körper braucht nicht nur Versorgung. Er braucht auch funktionierende Abflusswege.
Das lymphatische System, unser körpereigenes Transportsystem: Das Lymphsystem besteht aus einem weit verzweigten Netzwerk aus Lymphgefäßen, Lymphknoten und lymphatischen Organen. Lymphgefäße beginnen im Gewebe und nehmen Flüssigkeit auf, die nicht direkt wieder in die Blutgefäße zurückkehrt. Diese Lymphe enthält unter anderem Wasser, Proteine, Zellbestandteile und Immunzellen. Über immer größere Lymphgefäße wird die Flüssigkeit schließlich wieder in den Blutkreislauf zurückgeführt. Eine wichtige Aufgabe übernehmen dabei die Lymphknoten. Sie sind Kontroll- und Filterstationen des Immunsystems. Hier treffen Lymphflüssigkeit und Immunzellen aufeinander. Fremdstoffe, Zellbestandteile und Krankheitserreger können erkannt und Immunreaktionen organisiert werden. Das Lymphsystem ist deshalb nicht einfach nur ein Abfluss. Es ist gleichzeitig Bestandteil von:
- Flüssigkeitsregulation
- Immunabwehr
- Transport von Immunzellen
- Abtransport von Zell- und Stoffwechselprodukten
- Fetttransport aus dem Verdauungstrakt
Deshalb ist es so interessant für Bewegung, Regeneration und Gesundheit.
Warum braucht Lymphe Bewegung? Anders als das Herz für den Blutkreislauf besitzt das Lymphsystem keine zentrale Pumpe. Der Lymphfluss wird unter anderem durch Muskelbewegung, Atmung, Druckveränderungen im Gewebe und die Eigenbewegung der Lymphgefäße unterstützt. Das bedeutet, Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil des lymphatischen Transports. Gehen, Treppensteigen, lockere Mobilisation, Muskelarbeit und eine gute Atembewegung können deshalb den Flüssigkeitstransport im Körper unterstützen. Auch das Zwerchfell spielt dabei eine interessante Rolle. Durch die Atembewegung entstehen Druckveränderungen im Brust- und Bauchraum, die den Flüssigkeitstransport beeinflussen können. Deswegen ist es immer wieder wichtig bei Bewegung auch auf die Atmung zu achten.
Und dann gibt es noch das glymphatische System. Unser Gehirn besitzt keine klassischen Lymphgefäße innerhalb des Gehirngewebes, wie beispielsweise die Arme oder Beine. Trotzdem muss auch das Gehirn Stoffwechselprodukte und überschüssige Substanzen aus dem Gewebe abtransportieren. Da kommt das glymphatische System ins Spiel. Es handelt sich um ein Flüssigkeitstransportsystem im Gehirn, das eng mit der Gehirnflüssigkeit (Liquor), den Blutgefäßen und speziellen Nervenzellen (Astrozyten) verbunden ist. Der Begriff “glymphatisch” setzt sich aus “glial“, also den Gliazellen des Nervensystems und “lymphatisch” zusammen.
Schlaf ist in diesem Zusammenhang für das System so wichtig! Während bestimmter Schlafphasen verändert sich die Dynamik von Blutgefäßen, Liquor und Gewebeflüssigkeit. Untersuchungen zeigen, dass der glymphatische Flüssigkeitstransport während des Schlafs, insbesondere während des Non-REM-Schlafs deutlich unterstützt wird. Das bedeutet nicht, dass das Gehirn nachts einfach “entgiftet”. Aber Schlaf ist ein wichtiger physiologischer Zustand, in dem Prozesse der Gehirnhomöostase und des Abtransports bestimmter Stoffwechselprodukte besonders aktiv sind. Und damit wird guter Schlaf plötzlich noch interessanter. Schlaf ist nicht nur Pause. Schlaf ist aktive Physiologie!
Deshalb lohnt es sich nicht nur auf die Schlafdauer zu schauen, sondern auch auf die Qualität und Regelmäßigkeit des Schlafs.
Interessiert dich das Thema und du möchtest mehr darüber erfahren? Dann bleib dran, beim nächsten Blogtext geht`s weiter damit.
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