Sensorik, warum gute Informationen für das Gehirn so wichtig sind!
Unser Gehirn trifft jede Sekunde Entscheidungen: Wie bewege ich mich? Wo befinde ich mich im Raum? Bin ich sicher?
Damit es diese Entscheidungen treffen kann, braucht es Informationen. Diese Informationen kommt über unsere Sensorik. Sensorik bedeutet die Aufnahme von Reizen aus unserem Körper und unserer Umwelt. Dafür besitzen wir unterschiedliche Rezeptoren, die auf verschiedene Reize spezialisiert sind.
- Hautrezeptoren reagieren auf Berührung, Druck, Temperatur oder Vibration
- Rezeptoren in Muskeln, Faszien und Gelenken informieren über Körperhaltung und Bewegung
außerdem kommen noch Informationen über:
- die Augen, sie liefern visuelle Informationen und halten Blick auf dem Horizont
- und das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, dieses registriert Kopf- und Körperbewegungen
All diese Informationen werden ständig an das Gehirn weitergeleitet. Dort werden sie verarbeitet, verglichen und bewertet.
Aus neurozentrierter Sicht ist Bewegung kein reines Muskelthema. Bewegung ist das Ergebnis von Informationen. Je genauer und klarer die sensorischen Signale sind, desto besser kann das Gehirn einschätzen, was gerade passiert. Diese Einschätzung beeinflußt direkt, wie sicher sich das Nervensystem fühlt. Erhält das Gehirn klare Informationen, kann es Bewegungen präzise steuern. Es muß weniger “raten” und kann effizienter arbeiten. Fehlen Informationen oder sind sie widersprüchlich, steigt die Unsicherheit. Das Gehirn reagiert dann häufig mit Schutzstrategien: Bewegungen werden vorsichtiger, langsamer oder ungenauer.
Sensorik und Schwindel:
Gerade bei Schwindel spielt Sensorik eine zentrale Rolle. Für eine stabile Orientierung im Raum arbeitet das Gehirn ständig mit Informationen aus drei wichtigen Systemen:
- dem Gleichgewichtssinn
- dem visuellen System
- dem Körpersinn (Propriozeption)
Idealerweise liefern alle drei ähnliche Informationen. Das Gehirn kann daraus ein klares Bild der Situation erstellen. Kommt es jedoch zu Abweichungen oder werden Informationen unzureichend verarbeitet, kann Schwindel entstehen. Das Gehirn erhält dann kein eindeutiges Signal darüber, wo sich der Körper befindet und wie er sich bewegt. Die Folge können Unsicherheit, Schwankschwindel, Gangprobleme oder Gleichgewichtsstörungen sein.
Sensorik trainieren, heißt Informationen verbessern. Sensorisches Training verfolgt nicht das Ziel, Symptome wegzutrainieren, vielmehr geht es darum, dem Gehirn bessere Informationen zur Verfügung zu stellen. Je nach individueller Situation können gezielte Übungen für Augen, Gleichgewichtssystem oder Körperwahrnehmung helfen, die Qualität der eingehenden Signale zu verbessern. Das Gehirn erhält dadurch mehr Orientierung und kann Bewegungen häufig effizienter organisieren.
Das Nervensystem bewertet ständig, ob eine Situation sicher oder potentiell bedrohlich ist. Diese Bewertung basiert zu einem großen Teil auf sensorischen Informationen. Klare und gut verarbeitete Signale können dazu beitragen, dass das Gehirn mehr Sicherheit wahrnimmt. Diese Sicherheit bildet die Grundlage für stabile Bewegungen, gutes Gleichgewicht und ein souveränes verhalten im Alltag.
Deshalb lohnt es sich nicht nur die Bewegung selbst zu betrachten, sondern auch die Informationen, auf denen Bewegung überhaupt entsteht.
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