Vertikale Bewegung: Der vergessene Schlüssel im Gleichgewichtssystem!

Wie der Sacculus als Schwerkraftssensor wirkt, warum vertikale Bewegungen unser Gleichgewicht von klein auf prägen und welche Rolle LWS, Hüfte und Knie dabei spielen.

Schwindel und Gleichgewichtsstörungen wirken oft wie ein Kopfproblem. Doch ein zentraler Teil der Lösung liegt viel tiefer, in einem winzigen Sinnesorgan im Innenohr: den Otholitenorganen, besonders dem Sacculus.

Diese Strukturen reagieren auf etwas, das wir ständig tun und doch kaum beachten: Auf- und Abbewegungen.

Im Innenohr sitzen zwei Otholitenorgane:

  • Utriculus, eher für horizontale Beschleunigung
  • Sacculus, spezialisiert auf vertikale Beschleunigung

Auf ihren Sinneszellenliegen winzige Kristalle (Otokonien). Wenn wir uns auf und ab bewegen, etwa beim Gehen, Treppensteigen, Hüpfen oder Wippen, verschieben sich diese Kristalle. Dadurch entstehen Nervenimpulse, die dem Gehirn sagen:

  • Du bewegst dich nach oben.
  • Du sinkst nach unten.
  • Hier ist die Schwerkraft.

Der Sacculus ist damit ein zentraler Schwerkraft-Detektor. Er hilft dem Gehirn, Muskelspannung, Haltung, Blickstabilität und Gleichgewicht anzupassen.

Vertikale Bewegung, die erste Bewegung unseres Lebens!

Noch bevor wir krabbeln oder laufen, erleben wir ständig vertikale Bewegungen:

  • getragen werden
  • hochgehoben werden
  • gewiegt werden
  • auf dem Arm wippen

Diese frühen Reize sind kein Zufall, sie sind neurophysiologisches Training. Das vestibuläre System lernt:

  • Wo ist oben und unten?
  • Wie reagiert der Körper auf Beschleunigung
  • Wie stabilisiere ich Kopf, Augen und Rumpf?

Vertikale Bewegung ist also ein Grundbaustein für Haltung, Gleichgewicht und Körperspannung.

Sacculus und Schwindel, was passiert bei Störungen?

Wenn die Verarbeitung dieser vertikalen Signale gestört ist, kann sich das äußern als:

  • Unsicherheit beim Gehen
  • Probleme auf unebenen Untergrund
  • Unwohlsein in Aufzügen oder Rolltreppen
  • Schwankgefühl im Stand
  • Überforderung bei schnellen Auf- und Abbewegungen

Wichtig zu wissen, ist: Das heißt nicht, dass etwas kaputt ist. Häufig ist das System eher unterfordert, überfordert oder schlecht integriert. Die gute Nachricht ist: Das vestibuläre System ist trainierbar.

Dei Verbindung zum Körper: LWS, Hüfte und Knie: Der Sacculus arbeitet nicht isoliert. Seine Signale beeinflussen Muskelketten über den ganzen Körper.

Vertikale Beschleunigungsreize wirken auf:

  • Rumpfstrecker: Haltung gegen die Schwerkraft, also Aufrichtung
  • Hüftstreckung, Stabilität beim Stand und Gang
  • Kniestreckung: Stoßdämpfung. und Kraftübertragung

Wenn vertikale Reize fehlen oder gemieden werden, kann sich das zeigen in:

  • vorsichtigen, flachen Gangbild
  • wenig Federung
  • schneller Ermüdung im Rücken
  • Instabilitätsgefühl

Warum wippen so wertvoll ist:

Sanfte Auf- und Abbewegungen aktivieren den Sacculus, fördern die Aufrichtung, verbessern die Blickstabilität und helfen dem Gehirn die Schwerkraft sicher einzuordnen.

Übungsbeispiele für vertikale Stimulation:

  • Mini-Wippen im Stand: Füße hüftbreit, Knie weich, Fersen minimal vom Boden abheben und wieder sinken lassen, wie ein kleines Federn
  • Kleine Kniebeuge: Hände bei Bedarf an Stuhllehne oder Wand, eine kleine Kniebeuge machen und wieder aufrichten
  • Fersenheben mit Blickfixation: Blick auf einen Punkt an der Wand richten und bleiben, langsam nach oben in den Zehenstand kommen und wieder runter auf den ganzen Fuß
  • Hüpfen und Springen: Wenn du sicher bist, dann springe Hampelmann, oder auf einem Fuß 10x, dann auf dem anderen, springe und hüpfe so wie es Spaß macht, am besten zu Musik

Der Sacculus ist unser Schwerkraft-Coach, vertikale Bewegungen ist kein Extra, sondern ein Grundbedürfnis unseres Nervensystems.

Sanftes und dosiertes Auf- und ab kann:

  • Körpergefühl verbessern
  • Haltung unterstützen
  • Gleichgewichtssystem stimulieren
  • Sicherheit im Alltag fördern

Nicht als Wundermittel, sondern als natürlicher, sinnvoller Reiz, den unser System von Anfang an kennt.

Wenn du regelmäßig von mir lesen möchtest, dann melde dich doch für meinen monatlichen Newsletter: “Tipps und Tricks für ein Leben im Gleichgewicht” an: Anmeldung zum Newsletter