Hast du schon mal plötzlich einen starken Drehschwindel erlebt? Manchmal begleitet von Übelkeit und Erbrechen? Eventuell beim Umdrehen im Bett? Die Welt scheint sich für einige Sekunden zu drehen. Sehr häufig steckt dahinter eine gut behandelbar und harmlose Ursache: Der periphere Lagerungsschwindel.
Der medizinische Begriff lautet: benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS). Benigne bedeutet gutartig, paroxysmal beschreibt das plötzliche Auftreten und Lagerungsschwindel weist darauf hin, dass die Beschwerden durch bestimmte Kopfbewegungen ausgelöst werden.
Der benigne Lagerungsschwindel ist die häufigste Schwindelursache überhaupt. Studien zeigen, dass über 3% der Menschen im Laufe ihres Lebens einmal daran erkranken. Besonders häufig tritt er ab dem mittleren Lebensalter auf. In etwas 95% der Fälle entsteht der Lagerungsschwindel ohne erkennbare Ursache, man spricht dann von idiopathisch. Manchmal kann er aber auch nach einem Sturz, einer Kopfverletzung, längerer Bettruhe, einer Entzündung des Innenohrs oder nach Operationen auftreten.
Unser Gleichgewichtssystem sitzt im Innenohr und besteht unter anderem aus:
- 3 Bogengängen, die Drehbewegungen registrieren
- 2 Vorhoforganen: Utriculus und Sacculus, die lineare Bewegungen wahrnehmen
Im Utriculus befinden sich winzige Kalkkristalle. Diese werden auch Otokonien oder umgangssprachlich “Steine” genannt.
Beim Lagerungsschwindel passiert folgendes:
- einige dieser Kristalle lösen sich aus dem Utriculus
- sie gelangen in einen der Bogengänge
- dort bewegen sie sich bei bestimmten Kopfbewegungen
- dadurch wird das Gleichgewichtsorgan falsch gereizt, das Gehirn interpretiert eine Bewegung, die gar nicht stattfindet
Das Ergebnis ist ein plötzlicher Drehschwindel für einige Sekunden bis zu einer Minute. Auch Übelkeit und sogar Erbrechen können auftreten. Oftmals wird der Schwindel durch Umdrehen im Bett ausgelöst, auf alle Fälle durch Kopfbewegungen.
Allerdings ist nicht jeder Schwindel ein Lagerungsschwindel. Andere Ursachen können ähnliche Symptome machen. Deswegen ist es wichtig, die Diagnose von medizinischem Fachpersonal stellen zu lassen. Durch spezielle Lagerungsstests kann festgestellt werden, welcher Bogengang betroffen ist und somit kann das entsprechende Manöver geschult werden.
Der Lagerungsschwindel ist meist schnell behandelbar. Es gibt spezielle Lagerungsmanöver, für den entsprechenden Bogengang. Diese bestehen aus Abfolgen von Kopf- und Körperbewegungen. Ziel dieser Manöver ist, dass die gelösten Kristalle wieder aus dem Bogengang heraus und zurück an den Utriculus gelangen, wo sie keinen Schwindel mehr auslösen.
Diese Übungen sind selbst auszuführen, um ein bestmögliches Ergebnis zu bekommen, am besten übt man 3x täglich 3 Runden und zwar solange bis für 2 Tage kein Schwindel mehr auslösbar ist.
Da es für jeden Bogengang unterschiedliche Manöver gibt, sollte ein Arzt/Ärztin oder ein entsprechend geschulter Therapeut/Therapeutin die Übungen gut anleiten.
Der periphere Lagerungsschwindel ist zwar sehr unangenehm, aber in den meisten Fällen harmlos und gut behandelbar. Die Ursache sind meist gelöste Kristalle aus dem Utriculus, die in einen Bogengang gelangen und dort falsche Bewegungssignale auslösen. Mit gezielten Lagerungsmanövern können diese Kristalle wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückgeführt werden, so dass der Schwindel wieder schnell verschwindet.
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