Viele Betroffene kennen das:
Erst wird mein Nacken fest und dann beginnt der Kopfschmerz! Oder umgekehrt. Und ja, diese Verbindung ist kein Zufall, sondern neurophysiologisch erklärbar. Spannungskopfschmerz ist die häufigste Kopfschmerzform. Und die HWS spielt dabei häufig eine wichtige Rolle, nicht als alleinige Ursache, sondern als Teil eines empfindlichen Systems.
So fühlt sich Spannungskopfschmerz typischerweise an:
- dumpf, drückend ziehend
- wie ein Band oder Helm um den Kopf
- zieht von hinten nach vorne zur Stirn
- meist beidseitig
- leicht bis mittelstark
- Alltagsbewegung verschlechtert ihn meistens nicht stark
- selten Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit
Viele berichten zusätzlich über:
- Nackensteifigkeit
- Druckgefühl im Hinterkopf
- verspannte Schultern
Was in der HWS passiert:
Der obere HWS-Bereich enthält viele kleine tiefliegende Muskeln. Diese arbeiten ständig, sie stabilisieren den Kopf, halten den Blick und reagieren sensibel auf Belastung. Bei längerem Sitzen, Stress oder hoher Konzentration kann Folgendes passieren:
- Muskelaktivität bleibt dauerhaft erhöht
- lokale Durchblutung verändert sich
- Stoffwechselprodukte reizen schmerzempfindliche Strukturen
- Druckempfindlichkeit steigt
Diese Signale werden an das Nervensystem weitergeleitet. Der Körper meldet: “Hier ist zuviel Belastung!”
Warum daraus Kopfschmerz werden kann:
Der entscheidende Punkt ist nicht nur die Muskulatur, sondern die Verarbeitung im Nervensystem. Bei wiederholten Schmerzepisoden, kann sich die Schmerzverarbeitung verändern. Fachlich spricht man von erhöhter Schmerzempfindlichkeit oder zentraler Sensibilisierung.
Das bedeutet:
- Reize aus Nackenmuskeln werden schneller als schmerzhaft bewertet
- normale Muskelspannung kann sich übermäßig anfühlen
- Druck auf Muskeln ist unangenehmer als früher
Der Schmerz entsteht also nicht nur im Muskel, sondern durch ein empfindlicher reagierendes System.
Stress verstärkt das Ganze!
Stress aktiviert den Körper in Richtung “Bereitschaft”:
- Muskelgrundspannung steigt
- Atmung wird flacher
- Regeneration sinkt
- evtl. schlechterer Schlaf
Der Nacken bleibt länger angespannt. Gleichzeitig wird das Nervensystem wachsamer für Schmerzsignale. So können sich HWS-Anspannung und Kopfschmerz gegenseitig verstärken. Das ist kein persönliches Versagen, sondern eine normale physiologische Reaktion.
Wenn Schmerzen häufiger auftreten:
- Bewegung wird vorsichtiger
- Muskeln arbeiten weniger abwechslungsreich
- Belastung verteilt sich ungünstig
- das Nervensystem wird empfindlicher
Ein Schutzkreislauf entsteht. Der Körper versucht zu sichern, doch dadurch bleibt das System reizbar.
Spannungskopfschmerz bedeutet nicht unbedingt:
- deine Haltung ist schlecht
- die Muskeln sind kaputt
- du bist zu empfindlich
Sondern:
- Muskeln reagieren auf Belastung
- Das Nervensystem kann unter zu viel Belastung empfindlicher werden
- Schmerz ist ein Hinweis auf ein überfordertes Regulationssystem
Die gute Nachricht ist:
Muskeln, Nervensystem und Bewegungssteuerung sind anpassungsfähig. Veränderungen passieren meist schrittweise, durch:
- dosierte Bewegung
- Variabilität statt Daueranspannung
- Regulation von Belastung und Erholung
- besseres Verständnis der eigenen Schmerzmechanismen
Nicht durch Zähne zusammenbeißen, sondern durch Zusammenarbeit mit dem Körper.
Spannungskopfschmerz und HWS-Verspannung sind also keine getrennten Probleme. Sie sind Ausdruck davon, wie Körper und Nervensystem mit Belastung umgehen. Und genau dort kann Therapie ansetzen!
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